Mörderische Punkte

Im Moment schreibe ich sehr viel, weil ich noch dieses Jahr meinen dritten Krimi fertig kriegen will. Okay, zumindest die Rohfassung 😉 In diesem Krimi gibt es ganz unweihnachtlich viele Tote, bisher liegt der Body Count bei 40. Und je mehr ich am Schreibtisch morde, desto mehr Lust zu Nähen habe ich. Merkwürdig. Offenbar besteht da ein ganz komischer Zusammenhang zwischen Nähen und Töten. In der griechischen Antike gab es schon die webenden, spinnenden Schicksalsgöttinnen, die bei Gelegenheit auch mal – Schnippschnapp! – den Lebensfaden abschneiden … Dabei habe ich bislang noch keine einzige meiner Krimifiguren mit Nähutensilien umgebracht. Sollte ich vielleicht mal drüber nachdenken! Es muss ja nicht immer gleich die Schere sein. So ein Webband mit Eulen eignet sich zum Beispiel sicher gut zum Würgen. Und ist eine Bernina-Nähmaschine für dreitausend Euro nicht der schönste stumpfe Gegenstand, den man überhaupt an den Kopf kriegen kann? Ob Nahttrenner auch an Pulsadern funktionieren? Och, ich sehe schon, ich muss irgendwann mal einen Näh-Krimi schreiben. Dringend!

Bei der ganzen mörderischen Näherei ist gerade mein Weihnachtsoutfit fertig geworden. Um die Wirkung zu demonstrieren, habe ich mich “angemalt wie einen Christbaum” (regionaler Schmähbegriff für eine stark geschminkte Frau) und auch in genau die Ecke gestellt, in die bald unser echter Christbaum kommt.

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Neben mir steht meine treue Freundin Olga, die mich nun schon fast zwanzig Jahre begleitet. Nach acht Umzügen quer durch Südbayern sind wir wieder zuhause in Grainau angekommen! Ich kann mich nie entscheiden, was Olga tragen soll, weshalb sie seit Jahren nackend herumstehen und als Hutständer dienen muss. Jetzt wenigstens mit Fußbodenheizung, die Arme. ICH dagegen entscheide mich sehr leicht, was ich tragen will: Im Zweifelsfall Punkte! Der Rock ist ein Upcycling-Projekt aus dem Abschlussballkleid meiner kleinen Cousine. Ich habe die Corsage abgeschnitten, Rock und Futterstoff mit der Overlock zusammengefasst, den Bund nach innen umgeklappt und mit einem Ripsband verstärkt.

Pssst, das Ripsband habe ich von alten Medaillen meiner Schwestern geklaut, die waren mal echte Asse im Synchronschwimmen. Aber wer seine Medaillen tütenweise im Keller lagert, fordert die Upcyclerei doch förmlich heraus, oder nicht? Den Reißverschluss habe ich auch einfach abgeschnitten und mit ein paar (vielen) Steppstichen gesichert. Nicht wuuunderschön, aber sehr bequem. Und ich trage ja immer was drüber, zum Beispiel das Punkte-Shirt nach Lady Rockers von Mamahoch2, von dem ich hier noch ein Detail zeige:

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Gut, das sind ein paar mehr Details, sprich: FUSSELN! als gewollt, aber der Grundgedanke kommt rüber. Das Anstückeln mit dem schwarzen Jersey war eine Notlösung, weil ich aus dem hellgrauen Punktejersey schon ein Kleid für meine Tochter genäht hatte und dann fast nix mehr übrig war. Was muss ich auch den gleichen Geschmack haben wie eine Dreijährige! Und wieso bestelle ich Stoffe, die uns beiden gefallen, eigentlich immer noch in Metern und nicht gleich in Kilometern?! Jedenfalls gefällt es mir jetzt überraschend gut mit dem Schwarz. Und es sieht aus wie Absicht!

Grundsätzlich muss ich noch sagen, dass ich mir jetzt schon viele Oberteile genäht habe, aber keine passen mir so gut wie die nach dem Lady Rockers. Das ist mein Wald und Wiesen-Schnitt für dehnbare Stoffe. Auf den kann ich mich echt verlassen, obwohl und vielleicht gerade weil er so simpel ist und zu Spielereien einlädt.

Apropos Spielereien: Mein Punkte-Outfit ist natürlich nicht komplett ohne diese Socken:

Ich habe sie aus Jerseyresten nach dem Freebook “Sockenliebe” genäht. Bis ich den richtigen Angriffswinkel für die Fersen-Abnäher raus hatte, hat es zwar etwas gedauert, aber mittlerweile bin ich von Form und Funktion überzeugt. Diese hier habe ich sogar zur Frankfurter Buchmesse getragen 🙂

Schnittmuster: Lady Rockers von Mamahoch2, gekürzt und Ausschnitt vergrößert, Sockenliebe von Cherry Picking, abgelegtes Ballkleid von C&A

Stoffe: Grauer Pünktchen-Jersey und Jersey schwarz von Stoffmarktonline, grauer Ornamente-Jersey von Stoff & Liebe, alles Übrige aus der Restekiste.

Und ab zu meinem ersten RUMS!

 

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