Atombomben sind nur für Erwachsene

Anfang Januar waren wir wie jedes Jahr zum Geburtstagsbesuch bei Schwiegermuttern in Frankfurt, und es bot sich mir die einmalige Gelegenheit, bei TOKO Kurzwaren einzukaufen. Nach drei Tagen ohne Nähmaschine war ich schon total auf Entzug, und beim Betreten der heiligen Hallen im ersten Stock der Schäfergasse habe ich hyperventiliert. Mit zitternden Fingern durchstöberte ich die Regale, denn es musste schnell gehen: Schwiegermutter, Ehemann und drei quäkende Kinder im Schlepptau. Sie waren alle enttäuscht, dass es bei TOKO keine Spielecke gibt. “Das hier ist halt die Spielecke für Mamas”, sagte die Verkäuferin. Wo sie Recht hatte! Wenn wir nicht nach zehn Minuten dringend zum Treff mit den restlichen Frankfurter Angeheirateten verabredet gewesen wären, würde ich heute noch drin sitzen und auf die Glitzer- und Spitzenstoffe sabbern.

So aber konnte ich in der Eile nur ein paar Jerseycoupons für die Kinder (die ersten Coupons meines Lebens! Sowas Neumodisches gibt es halt in Garmisch-Partenkirchen und Umgebung nicht. Hach, wie aufregend!!!) und jeweils einen Meter Streifen-Glitzer-Jersey und schwarzes Kunstleder mitnehmen. Und EINEINHALB Meter dunkelgraues Anker-Bündchen. Anker-Bündchen, dachte ich mir, kann man bestimmt immer und für alle brauchen. Uuuund Rüschen-Pünktchen-Borte. Meine Güte, die Borten- und Bänderabteilung hat mich Landei ja förmlich erschlagen. Ich war ob der riesigen Auswahl echt überfordert, so dass sich meine dreijährige Tochter die Abschlussborte für ihr neues Kleid selbst aussuchen durfte:

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Hätte ich eigentlich auch selbst drauf kommen können. Sie hat halt einen untrüglichen Geschmack. Das Kleid ist das “Dark Drops” aus der Ottobre 6/2016 in Größe 110, und ich habe es komplett nach den Wünschen der Tochter gestaltet. Sie nennt es liebevoll ihr “Mädchenkleid”.

Augenkrebs, was? Aber da bin ich als gestandene Gothmother mittlerweile schmerzfrei. Ich muss es ja nicht anziehen. Hauptsache, das Kind ist froh und trägt es gern … sogar zum Eisschollen besteigen in der Arktis:

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Ich muss zugeben, dass ich die Anleitung zum Halsausschnitt überhaupt nicht kapiert habe. Das sieht man auch, hahaha … aber die Kleine-Prinz-Schleife reißt es wieder raus!

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Naja. Fast. Selbsterkenntnis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Nähweisheit, also habe ich gestern gleich noch ein “Dark Drops” aus royalblauem Viscosejersey mit Taillenbund und Ärmelabschlüssen aus Frankfurter Ankerbündchen genäht – und der Halsausschnitt wurde NOCH SCHLIMMER. Das kann ich euch überhaupt nicht zeigen, das ist mir echt zu peinlich, und mir ist nicht viel peinlich. Das muss ich erst umarbeiten. Zur Erheiterung bis dahin eine schöne Kindermund-Anekdote.

*

Auf der schneereichen Heimreise von Frankfurt ins hinterste Oberbayern entspann sich auf der Rückbank folgendes Gespräch zwischen unseren prä-prä-prä-pubertierenden fünf- und sechsjährigen Söhnen:

“Wenn ein Einbrecher kommt, dann hau ich ihn, bis er umfällt.”

“Und ich hau ihn, bis er nix mehr sehen kann.”

“Aber ich hole einen Stock und hau ihm auf die Beine, damit er nicht mehr weglaufen kann.”

“Dann nehm ich halt eine Bratpfanne und hau ihm auf den Kopf.”

“Ich hau ihm aber auch auf den Kopf, mit einem Stein!”

“Brauchst du nicht, weil ich ihn schon totschieße.”

“Dann flieg ich mit dem Hubschrauber in die Luft und schmeiß ihm eine Atombombe drauf!”

Da mischt sich die kleine Schwester ein, die sich bis dahin still aus ihrem Sitzgurt zu befreien versuchte:

“Nein, das geht nicht. Atombomben sind nur für Erwachsene!”

*

Wo sie Recht hat. Im Moment wünsche ich mir, eine Atombombe auf sämtliche von mir verbrochenen pseudoamerikanischen Halsausschnitte zu werfen.

Schnitt: Kleid “Dark Drops”, Ottobre 6/2016

Material & Kosten: Alles Jerseyreste von einer Freundin aus Österreich, mit der ich ab und zu Reste tausche. 1 Meter Bommelborte von TOKO 2,90 Euro, wenn ich mich recht erinnere. Ich hätte eigentlich 1 Meter 20 gebraucht, aber so hält es den labbrigen Rock besser zusammen 😉 Trotzdem, der Schnitt gefällt mir. Ich werde bestimmt noch einige “Dark Drops” nähen. Jedenfalls so viele, bis das mit dem Ausschnitt klappt.

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Schiffshaare oder Mutti-Tasking Nein Danke!

Auch bei mir klappt nicht immer alles. Mutti-Tasking ist einfach nicht so meins. Der Beweis:

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Das waren meine ersten und letzten Weihnachtsplätzchen letztes Jahr. Sollten Florentiner werden. Beim nächsten Versuch werde ich nicht parallel Pfannkuchen braten, dem Gast-Kind eine Apfelschorle zujonglieren, die Spülmaschine ausräumen und mit meinem Mann die Wochenendplanung besprechen. Die Weihnachtsdeko fiel ja auch recht bescheiden aus.

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So, das muss reichen, ich hab ja auch noch andere Hobbies außer Abstauben! Wie gesagt, Multitasking ist nicht so meine Stärke. Auch nicht im Abfent, wie Gerhard Polt sagen würde.

*

Dafür gibt es andere Lichtblicke in meinem Leben.

Fünfjähriger Sohn sitzt auf dem Sofa und blickt versonnen:

“Mama, du bist die aller-aller-wunderschönste Mama auf der ganzen Welt.”

“Oh, Danke. Warum findest du mich denn so schön?”

“Weil du einfach die schönsten Haare hast.”

(Es handelt sich um eine gerade geöffnete, ungekämmte Matte nach einem Tag Mütze und Pferdeschwanz. Ich war zuletzt vor drei Wochen beim Friseur.)

“Ja, echt? Was gefällt dir denn so gut an meiner Frisur?”

Verträumt: “Alles. Deine Haare sehen aus wie das Außen von einem Schiff.”

*

Schiffe sind ja immer noch das Allergrößte bei meinen Buben, noch größer sogar als Meister Yoda (den sie nicht wirklich kennen) und der Drache Kokosnuss (wobei der auch erstaunlich oft auf Schiffen unterwegs ist). Deshalb habe ich aus meinem ersten Panel Asterix und Obelix-Shirts mit dem Schwerpunkt “Schiff” genäht, und das hat ausnahmsweise mal richtig GUT geklappt.

 

Asterix und Obelix darf ich aus Gründen des Markenrechts nicht ohne Extra-Erlaubnis zeigen (die Janosch-Figuren vorsichtshalber lieber auch nicht). Aber wie erwartet sind die stolzen Besitzer jedes Mal den Tränen nahe, wenn sie doch mal in die Wäsche müssen. Daneben ein – wenn nicht DAS – Weihnachtskleid der kleinen Schwester. Ohne Schiffe, aber mit Tigerenten!

Es ist das erste Mal, dass ich so ein Panel mit Lizenz-Motiven vernäht habe, und es wird bestimmt nicht das letzte gewesen sein. Von der Qualität bin ich nach fünf, sechs Wäschen noch sehr angetan, der Druck bleibt schön scharf.

Material: Jersey von Stoffe Hemmers (Asterix und Obelix-Panel, Janosch), Stoffmarktonline (Anker, Ringel, Pünktchenjersey und grünes Stern-Bündchen), hellgrünes Bündchen aus dem Nähstüberl Partenkirchen, dunkelgrünes Zierband aus den Beständen der verstorbenen Grainauer Oma.

Schnitt: Shirts nach Sweatshirt “No Fuss” aus der Ottobre Kids 2/2016 in Größe 122, ohne Kragenleiste, rechts Kleid “Bla Blomma” von ebenda in Gr. 104, die hintere Überlänge gekürzt

Kosten: Ca. 20 Euro für alle drei zusammen

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Jackenglück mit jErika – Part I & II

… müsste eigentlich “Mantelglück” heißen, denn der Schnitt jErika von Prülla fällt bei mir mit meinen 1,68 ziemlich mantelig aus, wie ich finde. Die Danie von Prülla ist glaube ich eine Riesin, bei ihr sieht die jErika schon eher wie eine Jacke aus. Mit viel Respekt bin ich schon letzten Oktober an meine erste Winterjacke herangegangen. Einerseits, weil ich in einem Wintersportort lebe, in dem es durchaus mal minus 20 Grad hat. Andererseits, weil dieses ambitionierte Projekt auch meinen weltersten Reißverschluss beinhaltete. Das ist dann überraschenderweise supergut gegangen, obwohl (oder vielleicht weil?) ich zu faul war, den Reißverschlussfuß zu suchen:

Und auch das nie zuvor von mir vernähte Material Softshell war eine Freude. Die olle, aber unzerstörbare Pfaff meiner Mutter ist gut drübergeschnurrt. Ich habe die erste jErika noch aus lauter Gewohnheit (und weil es so professionell aussieht) noch vor dem Zusammennähen mit der Overlock versäubert, aber das wäre gar nicht nötig gewesen, da Softshell überhaupt nicht franst. Vor lauter Begeisterung habe ich gleich noch mehr Softshell mit maritimen Motiven für die geplante Übergangsjacke meines Ober-Piratensohnes besorgt.

Allerdings habe ich dann den Rücken von jErika 1 mit diesem schönen fusseligen Tatzenfleece hier gefüttert, und das war der Anfang vom Ende meiner neuen Jacke. Den konnte ich nämlich am Saum nicht mit einfassen, weil zu dick, und dann ist er mir beim Tragen immer den Rücken hinaufgewandert und wollte unter meinen Schulterblättern eine schnuckelige Wulst bilden. Im Bastelschrank meiner Mama habe ich einen hundertprozentig biologisch abbaubaren Textilkleber von 1986 oder so gefunden und hielt mich für sehr schlau, als ich das Fleecefutter damit an die Softshellschicht klebte. Dann zog ich das Ding an und jawohl, es rutschte nicht mehr. Dafür wurde ich beim Tragen halb ohnmächtig, weil hundertprozentig biologisch abbaubarer Textilkleber von 1986 nämlich stinkt wie ein expandierendes Unternehmen zur Tierkörperbeseitigung. Bestand Leim nicht sogar früher aus Knochenmehl? Ist nach dreißig Jahren eben schon ordentlich abgebaut, braucht man sich nicht zu wundern! Zudem war der angeklebte Teil mitnichten elastisch, wie auf der Kleberflasche beworben, sondern auch noch stocksteif wie eine tote Katze. Da hilft nur noch abschneiden. Und so wird aus meiner allerersten jErika, so ich mal Lust und Laune finde, demnächst doch noch eine richtige (Kurz-)Jacke.

Beim zweiten Versuch war ich schlauer und habe gleich richtigen, wattierten Futterstoff besorgt, der gut gleitet. Auch die Taschen habe ich nach vorne gelegt und in einfache, aber riesige Einsteckstaschen verwandelt, das ist praktischer für mich und all den Kinderkram, den ich immer dringend unterbringen muss (Stichwort “Mama, Abfall!” – “Ich bin deine Mama und nicht dein Abfalleimer, du hast selber Taschen!” – “Aber die haben Reißverschlüsse, die krieg ich nicht auf!” – etc etc …). Geht auch schneller als die im Schnittmuster vorgesehenen Nahttaschen *schwitz* … und ja, offenbar lassen sich Glitzersterne auch auf Softshell bügeln, man muss halt ein Baumwolltuch dazwischen legen.

Ich liebe den Schnitt und habe auch schon zwei Pullis und ein Sweat-Kleid danach genäht. Er sitzt gut, macht einen warmen Hals und bietet durch die Schulterpasse hübsche Möglichkeiten zur Stoffkombination. Meine Angst vor dem Mammutprojekt “Winterjacke” ist futsch – jetzt muss ich mich eher zurückhalten, nicht gleich die dritte jErika aus weinrotem Wollwalk anzufangen … da werde ich dann aber noch so eine spezielle Wärmeschicht einbauen, Thinsulate oder wie das heißt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Glitzerstern-Softshell-jErika fürs Bergsteigen, Rodeln oder Spazieren gehen ideal ist, mich aber beim Rumstehen am Glühweinstand dann doch friert. Jedenfalls vor dem dritten Glühwein. Und der dritte Glühwein ist als Mama immer nur hypothetisch.

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Schnitt: jErika von Prülla in Größe 40, damit viele dicke Pullis und Fleecejacken drunter passen. Ich habe ihn auf Makerist gekauft. Geändert habe ich nichts bis auf die Taschen. Okay, der Reißverschluss ist bei mir nur 80 cm lang statt 85.

Material: Mir haben je eineinhalb Meter Softshell von hier und der Partenkirchner Stoffstube gereicht, der Meter zu 12,50 bzw. 10 Euro. Der wattierte Futterstoff kommt ebenfalls aus der Partenkirchner Stoffstube und kostet 5 Euro den Meter. Den Glitzerstern zum Aufbügeln habe ich für ein paar Euro auch dort mitgenommen.

Kosten: Der Reißverschluss von Stoffe.de schlug mit neun Euro eigentlich am meisten zu Buche. Insgesamt aber keine fünfzig Euro für eine Designer-Winterjacke – eine Wucht!

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Tatzen für Tierliebhaber

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Na, wer kennt ihn nicht? Unter dieser todschicken neuen Hülle versteckt sich der Hocker “Nilserik” von I***. Moment, ich habe gerade auf der Website von I*** nachgesehen: offiziell ist Nilserik gar kein Hocker, sondern eine Stehstütze. Eine Stehstütze. Also dass es sowas gibt, habe ich auch noch nicht gewusst. Bei uns muss der arme Nilserik seit über zehn Jahren undercover als Hocker dahin vegetieren. Man lernt nie aus!

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Weil wir Nilserik schon so lange gegen seine Natur gnadenlos als Hocker missbrauchen (oder auch als Motorrad oder Schleudersitz oder Keule, um seinem Bruder eine überzuziehen), sieht er total fertig aus. Um nicht zu sagen eklig. Eine repräsentative Mischung unserer Nahrungsbestandteile überzieht ihn: Sprühsahne, Ketchup, Senf, Butter, geschmolzenes Eis, Schokoladenschmiere, verschiedene Nudelsoßen und auch sonst noch so allerlei Substanzen. Alles, was Kinder eben so an den Händen oder am Hosenboden haben.

Zweimal habe ich schon begonnen, ihm einen hübschen Überzieher zu häkeln. Beide Projekte sind im Sande verlaufen, weil ich zwar sehr gerne häkle, aber aus Prinzip nie damit fertig werde.

Bis wir Silvester eine gute Tat vollbracht und zwei Welse aus dem Tierheim adoptiert haben! Ja, das gibt es – in unserem Tierheim Garmisch-Partenkirchen steht ein Aquarium, in das unliebsame Wasserbewohner abgeschoben werden können. Warum wohl sind die armen Fische bei ihren ehemaligen Herrchen in Ungnade gefallen? Zu groß geworden, zu viel teures Futter oder gar schuppige Mitbewohner gefressen? Die Dame vom Tierheim konnte und durfte uns nichts Genaueres über die Herkunft der Fische verraten, es hätte mich schon sehr interessiert … Aber in unserem 200-Liter-Becken war so oder so noch genug Platz, auch für Raufbolde. Bei unseren Neuzugängen handelt es sich um zwei Afrikaner, einen Hochflossen-Fiederbartwels (mit vielen schönen Punkten) und einen Rehbraunen Schwielenwels (der ist eigentlich ziemlich hässlich, aber er kann etwas ganz besonderes: Darmatmung! Cool, gell? Und so ein ganz besonderer Fisch wird ins Tierheim abgeschoben! Böse Welt …) Bisher haben sich alle ganz lieb. Bisserl zu lieb sogar. Der Kaiserbuntbarsch Franz will sich sehr gerne mit einem der Welse paaren, aber nur mit dem hübschen Gepunkteten. Ich scheine eine magnetische Anziehungskraft auf perverse Haustiere auszustrahlen!

Und wie der Nilserik da so einsam und eklig vor dem nagelneuen, selbst gebauten Aquarienschrank stand, da überkam mich das Mitleid und ich nähte ihm fix einen Überzug mit Katzen-Tatzen darauf, damit er wenigstens von den Fischen noch ein wenig Respekt entgegengebracht kriegt.

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Eigentlich wollte ich aus dem schönen dicken Fleece noch ein Winterkleid für meine Tochter machen, aber der FUSSELT SO UNGLAUBLICH, dass ich nicht so viel zuschneiden und dann staubsaugen wollte 😉 Für den Bezug war nur ein Kreis von 70 cm Durchmesser nötig. Ich habe ihn mit der Overlock eingefasst, nach innen umgeklappt und bis auf ein paar Zentimeter zum Durchfädeln des Bindefadens mit großem Zickzack festgenäht. Alles so Pi mal Daumen, aber auf der Unterseite sieht man das ja nicht … und das Beste: Ich kann ihn abnehmen und nach Herzenslust waschen!!!

Material: Den Fleece habe ich beim Stoffe Lagerverkauf Ludwigsfeld bei Neu-Ulm anlässlich eines Tantenbesuchs gekauft. Mit zehn Euro pro Meter nicht gerade hinterher geworfen, aber sehr hübsch und warm. Ich habe auch noch den Rücken einer Softshelljacke damit gefüttert.

Graue Maus vor weißer Wand: Mein 2016

Wie ich hier gerade am Schreibtisch sitze, über das vergangene Jahr nachdenke und die Wand über meinem Monitor anstarre, fällt mir auf, dass sie weiß ist. Also die Wand. Gar nicht üblich für mich! Ich mag knallige Farben um mich herum. Die Weihnachtsferien habe ich im Farbrausch mit Streichen verbracht. Da war von “Amarena Kirsch” für die Essecke bis “Golden Bamboo” fürs Elternschlafzimmer alles dabei, und zuletzt habe ich eine Ritterburg ins Kinderzimmer tapeziert. Ich! Tapeziert! Dabei hätte ich noch vor einem halben Jahr Stein und Bein geschworen, tapezieren sei der Inbegriff der Spießigkeit, ungefähr auf einer Stufe mit Bügeln. Doch an den Vliestapeten à la Ritterburg von AS Création konnte ich im Baumarkt nicht vorbeigehen. Die sind einfach perfekt für die verschmierte, verkritzelte Wand hinter dem Bett eines Sechsjährigen! Das Tapezieren hat mir leider ziemlich viel Spaß gemacht. Okay, dann bin ich jetzt halt ein Spießer. Diese Ritterburg-Wand ist gar nicht so schlecht geworden, vor der mache ich ab sofort meine Näh-Fotos … apropos Nähen: Seit ich die Vorzüge von geraden Kleidersäumen zu schätzen gelernt habe, bügle ich auch hin und wieder. Doppelspießer! Vielen Dank an dieser Stelle an meine liebe Mama für die Fotos. Meine Smartphone-Kamera ist ja nicht der Hit, aber meine Mama immer.

In der Werbebranche, wo ich mich als Studentin rumgetrieben habe, ist die weiße Wand ja sowas wie das Butterbrot des Geistes. Nix da mit “Golden Bamboo”, Ritterburgtapete oder gar lustigen Schnappschüssen vom Hund. Die kahle weiße Bürowand muss es sein. Ohne die fällt den Advertising Managern und Creative Directors und wie sie alle heißen nix ein. Habe ich das unbemerkt, unbewusst übernommen? An der weißen Wand über meinem Schreibtisch hängen nur zwei Dinge: Ein Schmierzettel mit Notizen zum aktuellen Buch und eine Zeichnung aus Teenagerzeiten, der “Daumen des Grauens”.

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Daumen hoch, ich hatte schon mit fünfzehn einen skurrilen Humor. Daumen runter, das ist auch schon wieder fast zwanzig Jahre her, ohgottohgott … aber ich bin mal wieder abgeschweift. Ich wollte ja das Jahr 2016 Revue passieren lassen! Viel habe ich geschafft, noch mehr war ich geschafft: Ein Umzug mit drei Kindern, monatelange Renovierungsarbeiten, trotzdem das zweite Buch rausgebracht und das dritte fast fertig gekriegt. Ehemann derweil ungefähr zwanzig Stunden täglich im neuen Job gefordert. Ständig reihum alle krank gewesen, Auto kaputt gegangen. Eine Tante beerdigt und eine Nichte bekommen. Kurz, das pralle Leben halt. Es war sooo anstrengend und wild und schön und traurig und bunt und – schwupps! – schon wieder vorbei.

Mein Lieblingsoutfit in der Rückschau ist daher dieses: Mein Hausanzug, bestehend aus allerlei Resten. Die drei Kuschelteile, mit denen ich durchaus auch morgens mal zum Kindergarten schlurfe. Sie sind teilweise arg zusammengestückelt und daher vielleicht nicht zum Angeben geeignet, aber dafür hervorragend zum Seele wärmen. Unser Kater Klaus findet das auch, wie man sieht. Die alte Rampensau!

Nicht besonders bunt und weder schwarz noch weiß, sondern grau. Grau geht immer. Grau steht am Anfang und am Ende der Farbskala, es birgt einen Kern von allen Farben in sich. Grau ist für mich die Farbe der Möglichkeiten. Grau wie der Nebel, der sich über die Vergangenheit legt, und Grau wie die Dämmerung an jedem neuen Morgen. Aus einem neuen Tag, aus diesem neuen Jahr kann noch alles werden. Ich glaube, grau wird auch die Wand über meinem Schreibtisch.

Hier noch ein Detail vom Rücken, das nicht so gut geklappt hat: Die ungenau angenähte Spitze. Klaus findet es trotzdem entzückend. Es war von Anfang an keine gute Idee, sich als bevorzugt dunkel gekleidete Frau einen knallorangen Tigerkater zu holen. Aber Klaus brauchte nun mal dringend einen neuen Platz, und er dankt es uns mittlerweile seit sieben Jahren mit ganz, ganz großer Zuneigung. Er schläft auch bevorzugt auf unserer dreckigen Wäsche, was einerseits gut ist, weil ich dann seine vielen Haare gleich wieder wegwaschen kann, andererseits irgendwie spooky. Hat sonst noch jemand eine Fetischistenkatze, die auf getragene Menschenwäsche steht?

Schnitte: “My cuddle me” von Schaumzucker, Jacke jErika von Prülla als Pulli mit Freestyle-Kragen (weil ich keine Kapuzen mag), Hose nach irgendeiner Ottobre

Material: Sommersweat schwarz und grau gemustert von Stoffmarktonline, rosa Ringelbündchen von Stoffe.de, Alpenfleece von einer Freundin und der Partenkirchner Nähstube, schwarze Spitzenborte, gestreifter Strick und pinkes Bündchen ebenfalls von dort

Kosten: An die drei Meter Stoff zu je ungefähr zehn Euro; ein Meter Bündchen für zwölf Euro – tutti completti dreiteiliger Hausanzug unter fünfzig Öcken

So, jetzt bin ich mal vogelwild und mach bei Top 3 2016 – meistgetragen & selbstgemacht mit. Und beim Me Made Mittwoch, eine Premiere für mich!

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Ach ja, und zu guter Letzt: Frohes Neues nachträglich, ihr wilden graubunten Nähmäuse da draußen!

 

 

Weihnachten für den Arsch

20161221_183857… die Überschrift konnte ich mir nicht verkneifen. Bei meiner neuen Unterwäsche kneift aber zum Glück nix. Extra jugendfrei fotografiert. Nach zwei Dutzend Boxershorts für meine Buben (Schnittmuster hier) und den ersten zwei Unterhosen für meine Tochter (Schnittmuster aus der aktuellen Ottobre Kids) fühlte ich mich reif, mir selbst welche auf den Allerwertesten zu schneidern.

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Gut geübt, oder? Meine Söhne tragen die “kurzen” Slips nur im Notfall, weil sie die Boxershorts gemütlicher finden. Ich dagegen mag es knackig und kann jetzt untenrum im Partnerlook mit meiner Tochter gehen:

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Dass ich die Culotten für mich so lange aufgeschoben habe, hat aber auch noch einen weiteren Grund: Kinder-Unnerbüxen sind toll zur Resteverwertung. Aber so große Reste, dass sie für mein gebärfreudiges Becken reichen, habe ich selten! Gut, dass mir mein schickes Kirschen-Tanzkleid (Burda Easy 2015) in die Kinderpipi-Wäsche bei 50 Grad gerutscht ist. Seither ist der schwarze Jersey von Stoff&Liebe nur noch dunkelgrau und das Kleid ein Fall für die Upcycling-Kiste. Aus dem weiten Tellerrock habe ich noch drei Pünktchen-Kirschen-Unterhosen herausbekommen.

Sehen doch sehr weihnachtlich aus, oder? Gerade in der kalten Jahreszeit soll man seinen Körper schließlich gut pflegen und verwöhnen. Sich zeigen, dass man sich etwas wert ist, besonders als Mama. Man schenkt seinem Arsch ja sonst nichts!

P. S.: Mein dritter Krimi mit dem geheimen Arbeitstitel Erdbeerwölkchen wird bis Heiligabend schon 50 000 Wörter haben, und das ist mein allerschönstes Weihnachtsgeschenk an mich selbst. Fast noch schöner als meine neuen Unterhosen und mein nigelnagelneuer “My Cuddle me”-Cardigan, den ich euch demnächst zeigen werde … und jetzt rechtzeitig vor dem Mittagessen ab zu RUMS!

Schnittmuster Kinder: Peters Hugo von Allerleikind für die Buben, Ottobre Kids 2/2016 für die junge Dame

Schnittmuster Mama: Hey, das habe ich mir tatsächlich selbst erstellt! Gut sitzenden Schlüpper abgezeichnet und ein bisserl rumprobieren.

Material: Restekiste und ausrangiertes Jerseykleid

Mörderische Punkte

Im Moment schreibe ich sehr viel, weil ich noch dieses Jahr meinen dritten Krimi fertig kriegen will. Okay, zumindest die Rohfassung 😉 In diesem Krimi gibt es ganz unweihnachtlich viele Tote, bisher liegt der Body Count bei 40. Und je mehr ich am Schreibtisch morde, desto mehr Lust zu Nähen habe ich. Merkwürdig. Offenbar besteht da ein ganz komischer Zusammenhang zwischen Nähen und Töten. In der griechischen Antike gab es schon die webenden, spinnenden Schicksalsgöttinnen, die bei Gelegenheit auch mal – Schnippschnapp! – den Lebensfaden abschneiden … Dabei habe ich bislang noch keine einzige meiner Krimifiguren mit Nähutensilien umgebracht. Sollte ich vielleicht mal drüber nachdenken! Es muss ja nicht immer gleich die Schere sein. So ein Webband mit Eulen eignet sich zum Beispiel sicher gut zum Würgen. Und ist eine Bernina-Nähmaschine für dreitausend Euro nicht der schönste stumpfe Gegenstand, den man überhaupt an den Kopf kriegen kann? Ob Nahttrenner auch an Pulsadern funktionieren? Och, ich sehe schon, ich muss irgendwann mal einen Näh-Krimi schreiben. Dringend!

Bei der ganzen mörderischen Näherei ist gerade mein Weihnachtsoutfit fertig geworden. Um die Wirkung zu demonstrieren, habe ich mich “angemalt wie einen Christbaum” (regionaler Schmähbegriff für eine stark geschminkte Frau) und auch in genau die Ecke gestellt, in die bald unser echter Christbaum kommt.

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Neben mir steht meine treue Freundin Olga, die mich nun schon fast zwanzig Jahre begleitet. Nach acht Umzügen quer durch Südbayern sind wir wieder zuhause in Grainau angekommen! Ich kann mich nie entscheiden, was Olga tragen soll, weshalb sie seit Jahren nackend herumstehen und als Hutständer dienen muss. Jetzt wenigstens mit Fußbodenheizung, die Arme. ICH dagegen entscheide mich sehr leicht, was ich tragen will: Im Zweifelsfall Punkte! Der Rock ist ein Upcycling-Projekt aus dem Abschlussballkleid meiner kleinen Cousine. Ich habe die Corsage abgeschnitten, Rock und Futterstoff mit der Overlock zusammengefasst, den Bund nach innen umgeklappt und mit einem Ripsband verstärkt.

Pssst, das Ripsband habe ich von alten Medaillen meiner Schwestern geklaut, die waren mal echte Asse im Synchronschwimmen. Aber wer seine Medaillen tütenweise im Keller lagert, fordert die Upcyclerei doch förmlich heraus, oder nicht? Den Reißverschluss habe ich auch einfach abgeschnitten und mit ein paar (vielen) Steppstichen gesichert. Nicht wuuunderschön, aber sehr bequem. Und ich trage ja immer was drüber, zum Beispiel das Punkte-Shirt nach Lady Rockers von Mamahoch2, von dem ich hier noch ein Detail zeige:

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Gut, das sind ein paar mehr Details, sprich: FUSSELN! als gewollt, aber der Grundgedanke kommt rüber. Das Anstückeln mit dem schwarzen Jersey war eine Notlösung, weil ich aus dem hellgrauen Punktejersey schon ein Kleid für meine Tochter genäht hatte und dann fast nix mehr übrig war. Was muss ich auch den gleichen Geschmack haben wie eine Dreijährige! Und wieso bestelle ich Stoffe, die uns beiden gefallen, eigentlich immer noch in Metern und nicht gleich in Kilometern?! Jedenfalls gefällt es mir jetzt überraschend gut mit dem Schwarz. Und es sieht aus wie Absicht!

Grundsätzlich muss ich noch sagen, dass ich mir jetzt schon viele Oberteile genäht habe, aber keine passen mir so gut wie die nach dem Lady Rockers. Das ist mein Wald und Wiesen-Schnitt für dehnbare Stoffe. Auf den kann ich mich echt verlassen, obwohl und vielleicht gerade weil er so simpel ist und zu Spielereien einlädt.

Apropos Spielereien: Mein Punkte-Outfit ist natürlich nicht komplett ohne diese Socken:

Ich habe sie aus Jerseyresten nach dem Freebook “Sockenliebe” genäht. Bis ich den richtigen Angriffswinkel für die Fersen-Abnäher raus hatte, hat es zwar etwas gedauert, aber mittlerweile bin ich von Form und Funktion überzeugt. Diese hier habe ich sogar zur Frankfurter Buchmesse getragen 🙂

Schnittmuster: Lady Rockers von Mamahoch2, gekürzt und Ausschnitt vergrößert, Sockenliebe von Cherry Picking, abgelegtes Ballkleid von C&A

Stoffe: Grauer Pünktchen-Jersey und Jersey schwarz von Stoffmarktonline, grauer Ornamente-Jersey von Stoff & Liebe, alles Übrige aus der Restekiste.

Und ab zu meinem ersten RUMS!