Mein eiskaltes Schreibhändchen

Als jemand, der hauptberuflich auf die Tastatur einhämmert (und ansonsten die ganze Freizeit auf dem Smartphone Näh-Linkparties verfolgt), bin ich ein klassischer Fall für eine Sehnenscheidenentzündung an den Händen. Das ist eine typische Krankheit von Menschen, die den ganzen Tag nichts bewegen außer ihren Fingern 😉 Die Dezemberkälte an meinem Schreibtisch verbessert die Situation auch nicht. Ich hatte es schon mal so arg, dass ich Schmerzmittel einnehmen und wochenlang eine Schiene tragen musste.

Jetzt kann ich natürlich nicht mitten im Flow einfach aufhören zu Schreiben, nur weil mir gerade die Hand ein bisserl weh tut. Aber vorbeugen kann ich. Die Pfötchen immer schön warm halten! Doch wie? Mit richtigen Handschuhen treffe ich die Tasten nicht mehr.

Ich habe mir also fix ein Paar “Schreibhandschuhe” genäht, angelehnt an das Freebook Armstulpen Reikä aus Näähglücks Adventskalender. Hübsch und praktisch, vielen Dank, Sophie!

Und jetzt, wo das Karpaltunnelsyndrom erst mal in Schach gehalten ist, geht’s weiter mit Erdbeerwölkchen, meinem dritten Krimi. Gerade schreibe ich an der Szene beim Tag der Offenen Tür am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt Oberpfaffenhofen. Da wird meine Lieblingsfigur Gitte Grabow, die achtundneunzigjährige Filmdiva, vor die größte schauspielerische Herausforderung ihrer bisherigen Karriere gestellt: Ihr eigener Tod …

Schnitt: Freebook “Armstulpen Reikä” von Näähglück

Material: Sommersweat, bezogen über Stoffe.de

Kosten: Nix, weil Resteverwertung

Lifehack: Bezug für Seitenschläfer-Kissen

Ich bin eine Seitenschläferin vom Typ “Maulwurf”. Momentan benutze ich beim Schlafen VIER Kissen, damit ich immer genug Material zum Hineinwühlen und Herumwickeln habe. Seit Langem wünsche ich mir ein Seitenschläferkissen, habe mir aber nie eines gekauft, weil meine Mama mir versicherte, dass bei ihr noch eines herumgeistern würde.

Das tat es auch, nur leider ohne dazu passende Bezüge. Wir sind Mitte des Jahres mit meinen Eltern zusammen gezogen, und dabei ist so allerhand auf mysteriöse Art und Weise verschwunden. Was beim Umzug allerdings in rauen Mengen auftauchte, sind übrige Bettwäschegarnituren aus den beiden aufgelösten Ferienwohnungen meiner Eltern (diese Räume belegen jetzt wir).

Ehrlich, ich wäre NIEEE draufgekommen, wenn meine Mama mich nicht auf diese geniale Upcycling-Idee gebracht hätte. Sie legte mir einen Stapel aussortierter Bettwaren hin, in denen dereinst viele Touristenehepaare aus Bottrop oder Bochum süß geschlummert haben mochten, und sprach: “Daraus kannst du doch einen Bezug für dein Seitenschläferkissen machen!”

Diese hübsche Garnitur von Aldi aus gestreiftem Baumwollsatin in der ansprechenden Farbe “Babys erster Stuhlgang” habe ich mir dafür ausgesucht.

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Bezug ausgebreitet, Kissen draufgelegt, großzügig abgeschnitten und auf der linken Seite einmal mit der Overlockmaschine drübergerattert, fertig. Yeah, Geld gespart. Yeah, Stoffberg abgearbeitet. Und Triple-Yeah: Reißverschluss einnähen vermieden!!

Ist das jetzt überhaupt ein Lifehack, also das Zweckentfremden von Gegenständen in einen anderen Kontext? Eigentlich nicht ;-p – der Kontext “Bettwäsche” ist ja nach wie vor da … aber ein schönes Erfolgserlebnis war’s!

Bin schon sehr gespannt auf meine erste Nacht damit. Ob der Maulwurf in mir nun zur Ruhe kommt? Okay, das U-Boot sollte ich vielleicht vorher runter nehmen. Das isses immer mit diesem Familienbett. Ich persönlich finde ja, Kinder haben in Elternschlafzimmern nur so lange was zu suchen, bis sie U-Boote mit sich rumschleppen können. Oder mehr als zwei Christbaumportraits mit Glitzer auf einmal. Oder kunstvolle Lego-Konstruktionen, die sich bei Erreichen von Mamas Matratze in tausend Einzelteile auflösen. Dann ist es nämlich allerhöchste Zeit für eine Lichtschranke mit Volle-Windel-Detektor und eine Laserkanone, die allen Eindringlingen unter Eins Fuchzig und/oder mit vollen Windeln eins drüberbrät … Quatsch. Die stehen so auf Inspektor Gadget, da finden die das am Ende noch toll und kommen extra.

Material: Alter Bettbezug mit Macken, Normalgröße

Bezugsquelle: Aldi

Kosten: Nix

Fesche Cybercops mit viel Popo und so: Recherche-Späße

Gerade stecke ich mitten drin in meinem dritten Krimi. Ich habe schon die Hälfte geschrieben und bin sehr glücklich damit. Leider kann ich den Arbeitstitel hier nicht verraten, so lange seitens des Verlags noch kein Titelschutz beantragt wurde. Nennen wir ihn also einfach mal “Erdbeerwölkchen”. Klingt doch besser als Namenloser Krimi Nummer Drei, oder?

Es macht wirklich Spaß, an Erdbeerwölkchen zu arbeiten. Vor allem, seit die Kinder alle in den selben Kindergarten gehen und ich VORMITTAGS schreiben kann!!! LUXUS PUR!! Jahrelang habe ich meinen Feierabend geopfert und geschrieben, wenn die Kinder endlich in der Heia waren, also von 21 bis 24 Uhr. Diese Fron ist nun vorbei! Jetzt kann ich mir um 21 Uhr ein Glas Wein einschenken und noch ein bisserl was nähen oder lesen oder … noch mal an den Schreibtisch schleichen und außerplanmäßig an Erdbeerwölkchen weiterschreiben. Weil’s grad so schee is.

Aber warum eigentlich? Was genau macht mir daran solchen Spaß? Ich will Euch hier mit auf die Recherche nehmen, damit Ihr auch was zu lachen habt:

Spitze, oder? Am Eibsee habe ich mir den idealen Ort für den dramatischen Showdown von Erdbeerwölkchen ausgesucht, wo der Massenmörder seiner Angebeteten die … aber ich darf nicht zuviel verraten. Die süßen Mini-Schneemänner muss eine Familie hinterlassen haben, die kurz zuvor auf dem Eibsee-Rundweg unterwegs war.

Ob ich die Obergrainauer Kälber schon in Erdbeerwölkchen verwenden kann, weiß ich nicht. Ich fürchte, die müssen bis zum Frühling warten, wenn ich sie für meinen ersten Grainau-Krimi verwurste. Übrigens reagiert mein Mann auf die distanzlosen Geschöpfe ganz richtig: Fest ins Auge fassen und im Notfall mit der flachen Hand auf die Nase hauen. Soweit kam es allerdings nicht, obwohl mir eine auf der Suche nach Futter ziemlich fest in den Popo gebissen hat.

Womit wir bei den Recherche-Blüten aus dem Internet wären: “Ja” auf Albanisch heißt nämlich “Po”! Ich war so weggeflasht, dass ich das vielleicht sogar ein Mal zu oft in den Text eingebaut habe, da kommt nämlich ein falscher Albaner vor.

Und dann wären da noch die Cybercops. Bayern ist – logisch! – auch Spitzenreiter in Sachen Bekämpfung der Cyberkriminalität und verfügt mittlerweile über ganze 47 Cybercops. Das sind “EDV-Spezialisten”, die als Quereinsteiger zu regulären Polizisten weitergebildet werden und dann gegen die bösen Datenräuber und Würmerschleudern in den Tiefen des weltweiten Netzes vorgehen. Ich habe einen kleinen Uniform-Fetisch und stelle mir so einen Cybercop ja ziemlich heiß vor, wie eine Mischung aus dem netten Streifenpolizisten von nebenan und dem jungen Arnold Schwarzenegger in Terminator. Aber vermutlich liege ich da falsch. In Wirklichkeit sitzen die siebenundvierzig Cybercops wahrscheinlich in siebenundvierzig ausgeleierten alten Band-T-Shirts vor ihren siebenundvierzig gigantischen Bildschirmen im Bayerischen Landeskriminalamt und schieben sich aus siebenundvierzig Pappschachteln die kalte Pizza in die blassen, abgehärmten Gesichter.

Ich würde trotzdem gerne mal einen kennen lernen. Hey, ihr bayerischen Cybercops: Wenn das hier einer liest, meldet euch! Vielleicht könnt ihr meinen Mann überzeugen, bei euch die Nummer 48 zu werden? Er macht auch was mit Computern. Und die Uniform würde ihm sooo gut stehen … als Polizistengattin würde mir auch die Recherche viel leichter fallen!

Wobei es leichter als jetzt gerade ja kaum geht. Erdbeerwölkchen macht wirklich Spaß. Muss auch mal sein.

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Reinhold Messner, Sascha Lobo und die Bembel meine Schwiegermutter – Frankfurter Buchmesse

Yeah, er liegt hinter mir, mein erster Besuch auf der Frankfurter Buchmesse. Und zwar als FACHBESUCHERIN. Sozusagen der Ritterschlag für einen Büchermenschen!

Mein Verlag hatte mich eingeladen, doch am Donnerstag mal persönlich vorbei zu kommen. Der ICE ab München war schnell gebucht, und weil meine Schwiegermutter in Frankfurt lebt, war auch die Unterkunft gebongt. Um meine lieben Kinderlein nicht allzu lange in den Fängen der Großeltern zurücklassen zu müssen, fuhr ich Mittwoch Abend so spät wie möglich los und kam Donnerstag um 0:04 Uhr in Frankfurt an. Bis dahin lief alles glatt.

Ich freute mich riesig auf die Inspiration, die Neuigkeiten, Kontakte und vor allem darauf, einen ganzen Tag ohne Kinder verbringen zu dürfen.24 Stunden niemand, der an mir zerrt, mich anbieselt, mich in endlose Diskussionen über Playmobil-Piratenschiffe verwickelt. Gigantische Hallen voll gesitteter Erwachsener – ein Traum! Urlaub pur! Paaarty!

Dann kam meine Sch20161031_140314wiegermutter. Verstehen wir uns nicht falsch: Ich liebe sie. Sie hat den besten aller möglichen Ehemänner geboren und erzogen, sie versteht zu leben, kennt Gott und die Welt, ist immer noch eine außergewöhnliche Schönheit und einfach eine quirlige, witzige Urgewalt. Ich hätte sie nicht besser erfinden können. Sie kann sogar Spagat. Ich habe die wildeste Schwiegermutter der Welt. Bis drei Uhr morgens hat sie mich durch ihre Stammkneipen geschleift und dann zuhause weiter abgefüllt.

Wissen Sie, was ein Bembel ist? Nein? Ein Humpen aus Steingut, das Original-Trinkgefäß für Apfelwein. Meine Schwiegermutter war mal Bornheimer Bembel-Königin. Auf dem Foto links trägt sie als Zeichen ihrer Königswürde einen Miniatur-Bembel. Dies nur nebenbei.

Verständlich, dass ich wenige Stunden später auf der Messe nicht sooo aufnahmefähig war. Also Urlaub ist was anderes 😉 manches Mal wünschte ich mir die Übersichtlichkeit meines heimischen Chaotenhaufens zurück. Aber hey, ich habe trotzdem eine Menge Inspiration und Kontakte mitgenommen. Und Reinhold Messer, Sascha Lobo und viele andere Promis ganz entspannt vorbeischlendern sehen, als wären sie … nun ja, im Urlaub. Ich möchte nicht wissen, wie es bei denen zuhause abgeht!

Jetzt bin ich angefixt. Nächstes Jahr fahre ich einfach früher hin. Auch die wildeste Schwiegermutter der Welt wird sich freuen, wenn sie mit dem ersten Bembel nicht bis Mitternacht warten muss.